Das Bäckerle von Maudach
In früheren Zeiten war es in vielen Gemeinden Sitte, daß der Maurer, der einen neuen Backofen gesetzt hatte, vom ersten Gebäck ein Brot und bei vermögenden Leuten sogar noch einen Kuchen bekam.
Nun war in Maudach dem reichsten Bauern der Backofen zusammengefallen, und der Maurer im Ort gab sich besonders viel Mühe, den Bauern mit einem neuen zufriedenzustellen.
Als er nun am Abend wie`s üblich war, vorsprach, um seinen Lohn zu empfangen, zog die Bäuerin gerade die Brote aus der Röhre. Sie waren so goldgelb und knusprig, wie sie nicht besser hätten sein können. Doch der Bauer zwinkerte der Frau zu, und da sie ihn gleich richtig verstand, schaffte die Brote geschwind in die Vorratskammer. Der Bauer aber ging in die Stube und brachte das Geld abgezählt hervor. Von einem Brot piepste er nichts.
"Auch gut", dachte der Maurer, denn er war zu stolz, sein Brot zu verlangen. Nicht so auch die Frau daheim. Sie hatte schon auf das Brot gewartet und eifrig nach dem Mann Ausschau gehalten. Für sie stand es fest, daß auf dem ersten Brot aus einem neuen Backofen ein ganz besonderer Segen ruhe, und so wollte es ihr nicht in den Sinn gehen, daß sie darum betrogen werden sollte. Immer wieder redete sich auf ihren Mann ein, noch einmal zum reichen Bauer zu gehen und sich das Brot geben zu lassen.
Da aber sagte die alte Magd:"Ihr müßt es dem Bäcker überlassen. So gewiß als ich hier vor euch stehe, so wird das Bäckerle ihm für seinen Geiz tun. Der hat zum letzten mal schönes Brot gebacken."
Das Bäckerle! Mancher wollte es schon beim Gemeindebackofen gesehen haben, wie es geschäftig das Feuer schürte und das Brot wendete. Ein quicklebendiges Kerlchen war es, freundlich und zu allerhand Späßen aufgelegt, aber freilich - es konnte auch boshaft werden.
Der geizige Bauer mußte es bald erfahren. Das Brot ging zu Ende, und die Bäuerin schickte sich an, neues zu backen. Diesmal jedoch geriet ihr alles daneben. Die Brote blieben innen teigig, und außen waren sie schwarz verbrannt. Der Backofen sei schuld, schimpfte die Frau und richtig brachte sie den Bauer mit ihrem Gezeter dahin, daß er zum guten Wams griff, um zum Richter zu gehen und den Maurer wegen schlechter Arbeit zu verklagen. Als er nun aber zur Türe hinausstolperte und die Bäuerin ihm gerade noch die Kappe in die Hand drücken wollte, da blieben sie beide wie erstarrt stehen. Hinter dem Backofen lugte das Bäckerle hervor und schnitt ihnen eine Fratze, die nicht mißzuverstehen war. "Laß uns doch schnell dem Maurer das Brot bringen", keuchte die Bäuerin. Noch lag eines der schönen goldgelbenen auf dem Schaft, und dies packte sie nun unter den Arm und rannte damit die Dorfgasse hinunter. Mit vielen Worten heuchelte sie beim Maurer, vor lauter Freude über den schönen Backofen habe ihr Mann ganz das Brot vergessen, nun möchten sie es sich doch hinterher gut schmecken lassen. Nun, beim Maurer wußten sie Bescheid. Der Geruch des verbrannten Brotes war bis zu ihren Nasen gedrungen, doch sie nahmen gutwillig auch noch das altbackene Brot an. Genug ja hatten Bauer und Bäuerin am Spott zu tragen, der heimlich durch die Gassen lief. Wer hätte sich danach noch getraut, dem Maurer sein Brot vorzuenthalten. Zu Maudach gewiß keiner mehr. Wie lange das Bäckerle dort noch hauste, wußte mir keiner zu sagen. Wahrscheinlich ist es ausgewandert, als es im Umkreis keinen Gemeindebackofen mehr gab
- ja, so wird es gewesen sein.










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